1651 Gründung im Schloss Petershagen
Unsere Evangelisch-reformierte Petri-Kirchengemeinde ist in diesem Jahr 375 Jahre alt. Den Zusatz „Petri“ erhielt die Gemeinde 1824, aber sie besteht seit der Zeit nach dem 30jährigen Krieg. Im Westfälischen Frieden wurde das Minden-Ravensberger Land mit der Mark Brandenburg verbunden und somit der Markgraf und Kurfürst Friedrich Wilhelm I. aus dem Hause Hohenzollern, der neue Landesherr. Bis heute ist er als „Großer Kurfürst“ bekannt. Das bis dahin noch bestehende Fürstbistum Minden wurde aufgelöst und es entstand das „weltliche“ Fürstentum Minden. Das brandenburgische Fürstenhaus und somit der Kurfürst und seine Familie gehörten schon seit mehreren Generationen dem reformierten Bekenntnis an. Ab 1701 erhielt das erheblich erweiterte Gebiet Brandenburgs den Namen „Preußen“ und der Sohn des Großen Kurfürsten wurde der erste „König in Preußen“.
Als Residenz und Verwaltungssitz der neuen brandenburgischen Regierung für das Fürstentum Minden, das etwa die Größe des heutigen Kreises Minden-Lübbecke hatte, wurde ab 1649 das bisher bischöfliche Schloss Petershagen genutzt.

Abbildung 1: Links die frühere reformierte Schlosskapelle im Innenhof von Schloss Petershagen
Als Statthalter wurde der reformierte Graf Johann von Sayn-Wittgenstein eingesetzt. Dieser bezog mit Bediensteten, Beamten, Soldaten und deren Familien, die ebenfalls überwiegend dem reformierten Bekenntnis angehörten, das Schloss und andere Gebäude in Petershagen. Im Unterschied zu vielen anderen Herrschern in Europa setzte der Große Kurfürst auf eine tolerante Religionspolitik und so durfte die überwiegend lutherische Bevölkerung im Fürstentum Minden ihr Bekenntnis behalten. Es gab zu der Zeit noch keine Kirchengemeinschaft zwischen Lutheranern und Reformierten.
Nachdem dadurch aber immer mehr Reformierte nach Petershagen und Minden zogen, ermöglichte der Große Kurfürst die Gründung der Reformierten Gemeinde. Die bisherige bischöfliche Schlosskapelle wurde zur Reformierten Kirche umgestaltet und war somit seit 1651 das erste Kirchengebäude unserer Gemeinde. Der erste Pfarrer hieß Johann Heukeroth und das erste Pfarrhaus der Gemeinde existiert immer noch. Es ist das Haus „Hauptstraße 4“ in Petershagen (früher Petershagen Nr. 284), in dem sich heute die Buchhandlung Betz befindet.

Abbildung 2: Früheres Reformierte Pfarrhaus in Petershagen der 1651 bis 1710 im Besitz unserer Gemeinde.
Bis heute steht in der Dienstanweisung der Pfarrer unserer Gemeinde, dass sie für die „Reformierten im Gebiet des früheren Fürstentums Minden“ zuständig sind.
Erst am 6. September 1674 wurde an der Ritterstraße eine Reformierte Kirche in Minden am Standort der heutigen Petrikirche in Dienst genommen. Zuvor war der Verwaltungssitz für das Fürstentum Minden in die Stadt Minden verlegt worden. Die jetzige Petrikirche in Minden entstand erst zwischen 1739 – 1743, da der Vorgängerbau durch das Wachstum der Gemeinde und dem Zuzug vieler Hugenotten, den Reformierten Flüchtlingen aus Frankreich, viel zu klein wurde und obendrein baufällig war. Als Zwischenlösung wurde 13 Jahre lang, von 1730 – 1743, die ehemalige Klosterkirche St. Pauli an der heutigen „Alten Kirchstraße“ genutzt. Die Petrikirche ist also bereits die vierte Kirche unserer Reformierten Gemeinde. Die Schlosskapelle in Petershagen wurde bis zu Beginn der 19. Jahrhunderts als Filialkirche unserer Gemeinde für Gottesdienste, Taufen und Trauungen genutzt bis schließlich die napoleonischen Truppen seit 1806 das Schloss beschlagnahmten und die Kapeller als Pferdestall genutzt wurde und danach verfiel.

Abbildung 3: Erster Eintrag des Kirchenbuches unserer Gemeinde am 18. Januar
1652 wurde die Tochter des Statthalters, Lousia Philippina von Wittgenstein, geb. am 8. Januar 1652, in „Petershagen in der Schlosskirche“ getauft. Am selben Tag fand anschließend die zweite Taufe statt. Der Täufling war Johann Diederich Haxhausen, der ebenfalls am 8. Januar geboren war. Am 23. April 1652 fand die Trauung des Hans Herman von Lott, Kammerdiener bei hochgräflichen Gnaden Christian Ludewigs (Sohn von Johann von Wittgenstein) mit Maria Achenbach, Kammermädchen bei ihrer gräflichen Gnaden, gebürtig aus Wittgenstein, statt.
Mit der Gründung des Hotels im Schloss Petershagen wurde das Kapellengebäude zur „Fasanerie“ umgebaut. Bis heute erinnert ein Kreuz auf dem Dach des Gebäudes an die Geschichte als Schlosskirche.
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Chronik
Die ev.-ref. Petri-Gemeinde ist die kleinste und zugleich die größte der Mindener Kirchen-Gemeinden. Ihre gut 1200 Gemeindeglieder wohnen nämlich zerstreut im gesamten Kreis Minden-Lübbecke, der in seiner Aus- dehnung etwa dem ehemaligen Fürstbistum Minden entspricht.
Nach dem 30-jährigen Krieg, durch den Friedensschluss zu Münster und Osnabrück, ging das Bistum Minden als ein weltliches Fürstentum in die Hände des Großen Kurfürsten (der selbst reformiert war) über. Bis dahin waren die Mindener Reformierten von Zeit zu Zeit von dem Hofprediger der ref. Schlosskirche zu Bückeburg mitbetreut worden. Nun sah es der Große Kurfürst als eine seiner ersten Aufgaben an, seinen Glaubensgenossen und vor allem seinen Beamten, die sich überwiegend zur reformierten Kirche hielten, ein eigenes Gotteshaus zu beschaffen.
Gemeindegründung 1651 in Petershagen
Die Kirchen der Stadt Minden waren, als man an die Gründung einer ref. Kirche dachte, bereits in festen Händen. Da die Petershäger Schloßkirche in fürstlichen Besitz übergegangen war, versammelten sich die Reformierten zunächst dort. Am 23. Februar 1651 wurde Johann Heukerodt als erster Prediger in diese Stelle berufen.
Seit 1670 in Minden
1670 erfolgte die Verlegung der Regierung und des Konsistoriums von Petershagen nach Minden und damit die Übersiedlung der meisten reformierten Gemeindeglieder, der Beamten. Ein Haus in der Ritterstraße, der sog. Derenthalsche Hof, konnte erworben werden und zum Teil als Privathaus für den Prediger, zum Teil als kleine Kirche umgebaut werden. Am 6. September 1674 fand der Einweihungsgottesdienst in dem recht bescheidenen Gotteshaus statt. Die Predigt dieses Tages ist in gedruckter Form erhalten, denn immerhin war das Ereignis so bedeutend, dass zwei Söhne des Großen Kurfürsten anreisten, von denen aus dem einen der spätere König Friedrich I. in Preußen wurde. Schon bald wurde der Kirche auch eine eigene Schule angegliedert und ein „Rektor“ berufen. Bei Erkrankung oder Verhinderung des Pfarrers hatte er auch die Predigtvertretung zu übernehmen.
Petri und die Preußen
Da das preußische Königshaus selbst reformiert war, durften die Reformieren Pfarrer in Minden den Titel „Hofprediger“ führen. Auf Grund eines Kabinettbefehls König Friedrich III. hatte der jeweilige Hofprediger der Reformierten Kirche Sitz und Stimme im Gesamtkonsistorium der ev. Kirche zu Minden- Ravensberg. Er nahm dadurch an Prüfungen der Kandidaten für das luth. und ref. Pfarramt, wie auch an Lehrerprüfungen, teil. Gleichzeitig hatten die Hofprediger den Rang eines Superintendenten für die ref. Kirchen und Schulen in den Bezirken Herford, Lübbecke, Bielefeld und in der Grafschaft Ravensberg. Der Hofprediger unterstand auch nicht dem Mindener Konsistorium, sondern dem 1713 berufenen Kirchen-Direktorium in Berlin. Anfang des 19. Jahrhunderts legte Ernst-Rudolf Niemöller, der damalige Pastor, den Titel „Hofprediger“ auf Grund einer Verordnung Friedrich Wilhelm IV. ab. Das bedeutete von nun an, dass die ref. Geistlichen nicht ohne weiteres Mitglieder des Konsistoriums waren, sondern wenn es der jeweilige Landesherrn wollte.
1743 wurde die „Neue reformirte Kirchen zu Minden“, die heutige Petrikirche in Dienst genommen
Der bis dahin bestehende kirchliche Raum für die ref. Gemeinde zu klein geworden war, wurde ein Neubau geplant. Am 15. Dezember 1743, am 3. Advent, konnte die jetzige reformierte Kirche in der Ritterstraße in einem feierlichen Gottesdienst der Gemeinde übergeben werden. Die Kirche war zunächst im französischen Stil als Rundkirche gebaut worden, in ganz schlichter Weise als Auditorium für das Hören des Gotteswortes.

Turmbau 1897
Der Anbau des 36 Meter hohen Turmes entsprach dem Zeitgeschmack des Jahres 1897, mit dem damit verbundenen Umbau der Kirche wurde der ursprüngliche Stil als reformierte Kirche leider verwischt. Es gab eine Längsausrichtung im Basilikastil sogar mit zwei Fenstern, die die Kreuzigung und Auferstehung Jesu darstellten.
Wiederherstellung des ursprünglichen Kirchenraums im Jahre 1972
Nach einer Veränderung der Kirche wieder hin zur Schlichtheit im jahr 1953 wurde die Petrikirche Anfang der siebziger Jahre umfassend renoviert und die für eine reformierte Kirche typische Anordnung der Sitzplätze rund um Kanzel und Abendmahlstisch wiederhergestellt. 1973 wurde die heutige Orgel von der Firma Flentrop aus Zaandam/Niederlande erbaut. Zu Pfingsten 2015 wurde die ursprüngliche, aus dem Jahr 1674 stammende Kanzel restauriert und wieder in der Kirche eingebaut.

Zur Petrigemeinde gehört auch die Geschichte der Hugenotten in Minden
Eng mit der Geschichte der reformierten Gemeinde ist das Schicksal der französischen Kolonie in Minden verbunden. Hugenotten, die seit der Aufhebung des Edikt zu Nantes in Frankreich keine Glaubensfreiheit mehr hatten, siedelten sich auch in Minden an. Von 1686 bis 1807 gab es eine selbstständige franz.-ref. Gemeinde in Minden mit einem eigenen Geistlichen. In der Petrikirche wurde vormittags Gottesdienst für die deutsch-ref. Gemeinde und nachmittags für die franz.-ref. Gemeinde gefeiert. 1807 ging dann die französische Gemeinde mit ihrem ganzen Vermögen zur deutsch-reformierten Gemeinde über. Noch heute erinnern Mindener Namen wie Rousseaux, Lacour, d´Arragon, Fabry u.a. an die franz. Kolonie.
Auch heute noch reformierter Gottesdienst
Der auch heute noch gut besuchte Gottesdienst der ev.-ref. Petrigemeinde ist zumeist ein ausgesprochener Predigtgottesdienst. Zur Besonderheit dieses Gottesdienstes mit seiner schlichten Liturgie gehört die sonntägliche Katechismuslesung aus dem Heidelberger Katechismus von 1563, der das Bekenntnisbuch der ev.-reformierten Christen ist.