Das Wort

Liebe Gemeinde!

Wir sind schon drei Tage unterwegs in einem tschechischen Wald. Zu Fuß. Fünf andere Pfadfinder*innen und ich. Es geht durch Nadelwälder und Blaubeergestrüpp auf die Gipfel hinauf und in die Täler wieder hinunter. Alles, was wir für die nächsten zwei Wochen brauchen haben wir in einem Rucksack: Kleidung, Essen, Zelt, Zahnbürste. Vor der Wanderung ist jeder Gegenstand im Rucksack sorgfältig bedacht worden: „Möchte ich dieses Ding wirklich zwei Wochen auf meinem Rücken herumtragen? Was wenn ich es am Ende doch nicht brauche?“ Zwei Wochen unterwegs mit fast gar nichts.
Nach so einer Wanderung kommt einem fließendes Wasser wie der absolute Lu-
xus vor und ein warmes Bett wie der Himmel. Das verblüffende: Auf dieser
Wanderung habe ich trotzdem nicht schlecht gelebt. Ich hatte immer genug, es
ging mir gut.
Durch solche Erfahrungen habe ich eine Liebe zum einfachen Leben entwickelt.
Ich habe beschlossen, so wenig Gegenstände wie möglich zu besitzen. Als Ziel
habe ich mir gesetzt, dass alle meine persönlichen Dinge in einen einzigen
Schrank passen sollen. Ich bin noch nicht am Ziel, aber ich arbeite daran: ein
guter Teil meiner Dinge passt in einen Schrank: meine Unterlagen und Ordner,
meine Bücher, meine Kleidung, mein Zelt. Für ein gutes Leben braucht man
nicht viel. In Lk 12,15 steht: Kein Mensch lebt davon, dass er viele Güter hat.
Wir haben sehr viel. Und wir kaufen immer mehr. Auch ich. Und das ist ein
Problem. Es wird immer mehr gekauft, immer mehr produziert und die Rech-
nung zahlt am Ende oft die Natur, das Klima oder die Menschen in den Produk-
tionsländern. Die vielen Güter, sind lebensbedrohlich. Sie zerstören. Für unsere
Kinder und Enkel, für unsere eigene Zukunft brauchen wir ein neues Verhältnis
zum Thema Besitzen, zu den Frage: Wie viel ist genug? Wie viel ist gut? In Lukas 12 steht: Kein Mensch lebt davon, dass er viele Güter hat. Und danach
erzählt Jesus die Geschichte vom reichen Kornbauern. Der reiche Kornbauer hat
materiell ausgesorgt, und seine ganzes Denken gilt dem, wie er seine Güter ver-
waltet. Das lenkt ihn ab, von den Dingen, die wirklich wichtig sind im Leben,
dabei verpasst er das, worauf es ankommt. Sein Besitz steht ihm im Weg. Aber
worauf kommt es an? Schnell möchte ich sagen: Gemeinschaft, Liebe, Glauben,
Familie, Hoffnung und so weiter. Große Worte, aber was bedeuten sie? Ich
möchte hier keine pauschalen Aussagen mit großen Worten machen. Worauf es
ankommt, dass ist etwas, das wir als Gemeinschaft immer wieder gemeinsam
herausfinden. Wichtig ist dabei, dass uns die vielen Güter nicht davon ablenken,
diese Frage zu stellen und ihr nachzugehen. Für unsere Kinder und Enkel, für
unsere eigene Zukunft brauchen wir ein neues Verhältnis zum Thema Besitzen,
zu den Frage: Wie viel ist genug? Wie viel ist gut? Und dann können wir ge-
meinsam der Frage nachgehen: Worauf kommt es an?
Ich wünsche eine schöne Sommer- und Ferienzeit

Simon Schu, Pfarrer im Probediens