Das Wort

Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.
Monatsspruch April 2022 aus Johannes 20,18 (Einheitsübersetzung)

Eigentlich hatte ich vor, schöne unbeschwerte Ostergedanken aufzuschreiben, verbunden mit der Hoffnung auf eine immer mehr eingedämmte Corona-Pandemie mit vielen Möglichkeiten, die wir in den letzten gut zwei Jahren nicht mehr hatten. Doch dann das Unfassbare: der Krieg in der Ukraine, der bisher so viel Schrecken, Leid, Elend, Angst hervorrief. Die Welt hält seither den Atem an.

Gedanken rund um Corona sind dadurch auf merkwürdige Weise unwichtiger geworden. Bemerkenswert ist seither der große Einsatz so vieler Menschen hier in Minden und Umgebung um Flüchtlinge aus der Ukraine aufzunehmen und zu unterstützen, um Hilfstransporte Richtung Osten auf den Weg zu bringen und um Geld zu spenden, damit wenigstens etwas Not gelindert werden kann. Wir wollen hoffen und beten, dass der Krieg sich nicht ausweitet und wieder Frieden einkehren kann.

Ich frage mich in dieser Zeit besonders, welche Bedeutung behält oder bekommt der persönliche Glaube von Menschen in dieser Zeit der Not und was hat die Osterbotschaft in der Gegenwart für eine Relevanz? Aber wenn wir in die Ostergeschichte hören, dann ist mir doch in diesem Jahr besonders deutlich, dass das, was Maria Magdalena den Jüngern zu sagen hatte, in einer Situation schlimmsten Leids geschah, in der alle Hoffnung verloren war: Jesus ist tot, all das, was seine Anhängerinnen und Anhänger mit ihm verbunden hatten, war zerstört: die Angst vor den weltlichen und religiösen Mächtigen muss schrecklich gewesen sein: blüht uns jetzt das gleiche Schicksal wie Jesus und wie kann es überhaupt weitergehen, wie können wir unsere Zukunft gestalten? Maria Magdalena, die ja zuvor schon lange Zeit mit Jesus und den Jüngern unterwegs gewesen war, traute sich am Ostermorgen zum Grab Jesu zu gehen um den Toten, wie es üblich war, zu salben. Und sie fand ein leeres Grab vor, lief zu den Jüngern, die auch nur erschrocken und verwundert das leere Grab ansehen könnten, aber kurz darauf war Maria Magdalena dann die erste, die den auferstandenen Jeus sah, ihn zunächst nicht erkannte, aber mit ihm sprach und dann er mit ihr. Und durch das, was er sagte, nahm er ihr alle Angst und sie die, die Frau, war dann die erste Botschafterin der freudigen Nachricht, dass er lebt und dass der Tod besiegt ist, nicht das letzte Wort hat, weil die Verbindung zu Gott nicht abgerissen ist. Und kurz darauf kam er dann zu den Jüngern und sagte als Gruß, der nun in unseren Tagen wieder eine ganz neue Bedeutung bekommen hat: Friede sei mit euch! Friede sei mit euch! Das wünschen gewiss die meisten von uns all denen, die unter dem Unfrieden leiden. Aber „Friede sei mit Euch“ ist nicht nur ein Wunsch, dass der Frieden von irgendwoher kommen wird, sondern dass er in jedem Menschen Platz findet, das Herz tröstet und bewegt und damit die Welt bewegen kann. Das österliche „Friede sei mir euch“ des Auferstandenen ist wie ein Segen und wie ein Auftrag zugleich für uns alle und zur Hoffnung für die Welt, die eben so ganz anders sein könnte, als sie ist, wenn der Friede in den Herzen der Menschen mehr Platz finden kann. Deshalb: im Sinne Christi: Friede sei mit Euch, den Menschen in der Ukraine, in Russland, in Deutschland, Europa, der Welt, in den Familien, in den Lebensgemeinschaften, an Arbeitsplätzen. Und nicht zuletzt in den Kirchengemeinden, wo doch der Friede, der höher ist als alle Vernunft, unsere Herzen und Sinne berühren, trösten und froh machen soll.

Ich wünsche eine frohe und gesegnete Ostern, uns allen ein schönes und friedvolles Frühjahr

Bernhard Speller, Pfarrer