Das Wort

Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein großes Licht,
für alle, die im Land der Finsternis leben, leuchtet ein Licht auf…. (Jes 9,1)
… Denn ein Kind ist uns geboren… (Jes 9,5)

Liebe Gemeinde!
Geht uns im Winter das Licht aus? Werden wir im Dunkeln sitzen, bibbernd vor Kälte, ohne Strom und Heizung?
In den Medien begegnen uns in diesen Tagen immer wieder solche
Schreckensszenarien. Auf dem Titelblatt einer bekannten Sonntagszeitung
prangt an diesem Wochenende ein Bild einer deutschen Stadt (Koblenz) bei Nacht (wohl am Computer nachbearbeitet) – in völlige Dunkelheit gehüllt – düster, trostlos, beängstigend. Dazu ein passender Text, der uns eine harte, deprimierende Zeit suggerieren möchte: „Ein Flackern – und plötzlich gehen die Lichter aus. Und der Herd und der Kühlschrank. Und das Internet. Aus dem Wasserhahn kommt kein Tropfen mehr. Die Heizkörper werden kalt. Das Handynetz ist tot, der Notruf auch.
Alles ist dunkel. Niemand weiß, was los ist.“
So weit das Horrorszenario. Bedrückend. Erst recht, wenn man sich vorstellt, dass uns dieses Schicksal zu allem Überfluss auch noch gerade an
Weihnachten ereilen könnte – festliche Weihnachtsbeleuchtung draußen,
gemütlich – anheimelnde Weihnachtsstimmung daheim – ade!
Mag uns diese medial geschürte „Winter-Angst“ auch vielleicht übertrieben erscheinen, für viele Haushalte droht dieser Winter auch ohne Untergangshysterie hart und relativ freudlos zu werden. Zudem leiden viele auch an innerer Dunkelheit, an Trauer, Einsamkeit, schwindendem Lebensmut. Dazu die Bilder, die uns täglich aus der Ukraine erreichen, immer schrecklicher, immer gnadenloser, sie lassen uns nicht los, der Krieg
eskaliert immer weiter und es ist kein Ende in Sicht, kein Licht am Ende des Tunnels.
Was kommt noch auf uns zu? mag da so mancher fragen. Vor diesem Hintergrund berühren mich die Worte des Propheten Jesaja
intensiver als je zuvor. Oft schon gehört, oft schon gelesen, öfter schon auch mit SchülerInnen im Unterricht reflektiert und auf die mögliche(n) Aussageabsicht(n) Jesajas theologisch abgeklopft, treffen sie mich in diesen Tagen tief, sind sie doch mehr als alles andere geeignet, Mut und Hoffnung zu wecken. Verkündigen sie doch ein trotziges „Nein“ zu allen Angstszenarios, zu jedem Fatalismus und jedem Impuls, sich wegzuducken oder sich vor allem und jedem zu verbarrikadieren. Geschrieben wurden sie damals, um den nach Babylon ins Exil verschleppten Überresten des Gottesvolkes, verurteilt zu Sklavendienst und Leben im Elend, krank vor Sehnsucht nach einem besseren Leben – eines Tages wieder in Jerusalem – Mut zu machen, sie wieder aufzurichten und an Gottes Treue zu erinnern, der sie in tiefster Not nicht alleine lässt:
Sie werden auf das Licht schauen und sich freuen.
Denn Gott handelt – auf unerwartete, unspektakuläre und dennoch
unvergleichlich wirksame Weise: „Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist
uns gegeben und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter“ (Jes 9,5). Wunderbar-geheimnisvolle Titel werden ihm von Jesaja mitgegeben:
Wunder-Rat; Gott-Held; Ewig-Vater; Friede-Fürst.
Für uns gehört ein weiterer Titel unabweisbar dazu: CHRISTUS – ERLÖSER.
Er, der am Kreuz selbst durch dunkelste Angst und Verzweiflung, ja sogar
die Angst, von Gott verlassen zu sein, hindurchgegangen ist, wird für uns
das Hoffnungslicht, das die Dunkelheit überwindet, die in uns und die,
welche uns von außen bedrängt.
Nicht ohne Grund widmet sich ein – den meisten wohl eher wenig bekanntes -Adventslied in unserem Gesangbuch (EG 20) der Verheißung des Jesaja. Lassen wir den Verfasser des Liedtextes, Jürgen Hensky, den Jesaja-Text für uns sprechen:
Das Volk, das noch im Finstern wandelt – bald sieht es Licht, ein großes
Licht. Heb in den Himmel dein Gesicht und steh und lausche, weil Gott
handelt.
Die ihr noch wohnt im Tal der Tränen, wo Tod den schwarzen Schatten
wirft: Schon hört ihr Gottes Schritt, ihr dürft euch jetzt nicht mehr verlassen wähnen.
Da wo wir nicht mehr weiter wissen, handelt Gott. Auf ihn dürfen wir
getrost hoffen. Ängste – welche auch immer – müssen uns nicht länger
verzagen lassen.
Und ebenso wie der Friede-Fürst bei Jesaja Soldatenstiefel und
Soldatenmäntel ins Feuer verbannt (Jes 9,4) und dauerhaften Frieden
einkehren lässt (Jes9,6), greift auch das Kirchenlied dessen Friedensvision
in berührender Weise auf:
Er kommt mit Frieden. Nie mehr Klagen, nie Krieg, Verrat und bittre Zeit!
Kein Kind, das nachts erschrocken schreit, weil Stiefel auf das Pflaster
schlagen. Die Liebe geht nicht mehr verloren. Das Unrecht stürzt in vollem Lauf. Der Tod ist tot. Das Volk jauchzt auf und ruft: „Uns ist ein Kind geboren!“
Ein Kind ist uns geboren – und wir können dabei sein. Aber nicht als
unbeteiligte Zuschauer.
D. Bonhoeffer hat es einmal so formuliert:
„Wenn wir an diesem Advents- und Weihnachtsgeschehen teilnehmen
wollen, … dann werden wir selbst in diese Handlung, die da geschieht, in
diese Umkehr aller Dinge mit hineingerissen, da müssen wir mitspielen…,
da können wir uns nicht entziehen.“
Möge das Licht Christi auch uns erleuchten und „widerstrahlen“ in allem, was wir tun.

Achim Aink (Gemeindebriefredaktion)

Wunderbar-geheimnisvolle Titel werden ihm von Jesaja mitgegeben:
Wunder-Rat; Gott-Held; Ewig-Vater; Friede-Fürst.
Für uns gehört ein weiterer Titel unabweisbar dazu: CHRISTUS –
ERLÖSER.
Er, der am Kreuz selbst durch dunkelste Angst und Verzweiflung, ja sogar
die Angst, von Gott verlassen zu sein, hindurchgegangen ist, wird für uns
das Hoffnungslicht, das die Dunkelheit überwindet, die in uns und die,
welche uns von außen bedrängt.
Nicht ohne Grund widmet sich ein – den meisten wohl eher wenig bekann-
tes -Adventslied in unserem Gesangbuch (EG 20) der Verheißung des
Jesaja. Lassen wir den Verfasser des Liedtextes, Jürgen Hensky, den Jesaja-
Text für uns sprechen:
Das Volk, das noch im Finstern wandelt – bald sieht es Licht, ein großes
Licht. Heb in den Himmel dein Gesicht und steh und lausche, weil Gott
handelt.
Die ihr noch wohnt im Tal der Tränen, wo Tod den schwarzen Schatten
wirft: Schon hört ihr Gottes Schritt, ihr dürft euch jetzt nicht mehr verlassen
wähnen.
Da wo wir nicht mehr weiter wissen, handelt Gott. Auf ihn dürfen wir
getrost hoffen. Ängste – welche auch immer – müssen uns nicht länger
verzagen lassen.
Und ebenso wie der Friede-Fürst bei Jesaja Soldatenstiefel und
Soldatenmäntel ins Feuer verbannt (Jes 9,4) und dauerhaften Frieden
einkehren lässt (Jes9,6), greift auch das Kirchenlied dessen Friedensvision
in berührender Weise auf:
Er kommt mit Frieden. Nie mehr Klagen, nie Krieg, Verrat und bittre Zeit!
Kein Kind, das nachts erschrocken schreit, weil Stiefel auf das Pflaster
schlagen.
Die Liebe geht nicht mehr verloren. Das Unrecht stürzt in vollem Lauf. Der
Tod ist tot. Das Volk jauchzt auf und ruft: „Uns ist ein Kind geboren!“
Ein Kind ist uns geboren – und wir können dabei sein. Aber nicht als
unbeteiligte Zuschauer.
D. Bonhoeffer hat es einmal so formuliert:
„Wenn wir an diesem Advents- und Weihnachtsgeschehen teilnehmen
wollen, … dann werden wir selbst in diese Handlung, die da geschieht, in
diese Umkehr aller Dinge mit hineingerissen, da müssen wir mitspielen…,
da können wir uns nicht entziehen.“
Möge das Licht Christi auch uns erleuchten und „widerstrahlen“ in allem, was
wir tun.