Das Wort

Wir alle sind – wie viele und wie unterschiedlich wir auch sein mögen – durch unsereVerbindung mit Christus ein Leib,
und wie die Glieder unseres Körpers sind wir einer auf den anderen angewiesen.
(Römer 12,5 NGU)

Liebe Gemeinde!
Es ist Februar. Was soll ich für diese Andacht schreiben? Wie wird die Welt Anfang April aussehen? Werden wir ein fröhliches, freies Leben mit wenig Corona-Fällen führen? Ein „normales Leben“ – das eigentlich gar nicht normal ist, sondern nur weniger schlimm als die jetzige Situation. Oder haben die Mutationen überhand genommen und wir sind immer noch oder schon wieder im Lockdown? Oder irgendwo zwischen drin? Wie kann ich etwas für diese Tage schreiben? Alles ist unsicher. Wenigstens das wird sich wahrscheinlich nicht geändert haben: Die Unsicherheit. Leider.

Irgendwie auch komisch das mit der Unsicherheit. Vor Corona lebten wir in einer sich stetig beschleunigenden Gesellschaft. Immer mehr Wandel, immer mehr Fortschritt, immer mehr Wettbewerb, in immer kürzeren Abständen immer mehr Neues. In allen Bereichen unseres Lebens. Biographien wurden vielfältiger, berufliche und familiäre Pläne wurden immer weniger eindeutig und immer unvorhersehbarer. Die Veränderung, der Wandel – die Unsicherheit war schon länger unser dauernder Begleiter. Und unter dieser stetigen Beschleunigung blieben kaum bemerkt am Rande doch einige Menschen zurück. Nur die Harten kommen in den Garten (so sagt man) und nur die Schnellen halten Schritt in unserer Gesellschaft (so scheint es). Doch nun hat sie Überhand genommen – die Unsicherheit. Sie ist so groß geworden, dass auch die Harten und Schnellen nicht mehr Schritt halten können. Und jetzt bleiben wir alle irgendwie zurück. Planung ist nicht mehr möglich, ein normales Leben fast ausgeschlossen. Was nun? Wie können wir mit dieser Unsicherheit umgehen?

Patentrezepte gibt es da wohl nicht, doch unser Glaube gibt uns zwei Dinge, die, wie ich finde, sehr hilfreich sind in unsicheren Zeiten. Zum einen ist es die Gemeinschaft. Auch wenn wir uns nicht zu Gottesdiensten treffen können, sind wir eine Gemeinschaft – eine Gemeinschaft, die vom höchsten Gebot: der Liebe geprägt ist. Auch wenn wir uns nicht sehen und begegnen. Trotzdem können wir füreinander da sein (mit Abstand und allem was dazu gehört natürlich) und füreinander sorgen. Und auch wenn wir uns nicht begegnen und die Hände schütteln, wir wissen, wir gehören zusammen. Und wir gehören zusammen zu Gott.
Und das zweite sind Rituale: Ein festes Abend- oder Morgengebet, regelmäßiges Bibellesen oder etwas anders. Mir persönlich (ich habe feste Morgen- und Abendgebete) tut das sehr gut – schon länger, aber besonders in diesen Zeiten. Es ist ein verlässlicher Anker im Alltag. So ein Ritual ist ein Ort, an dem ich zu Gott kommen kann, weg von all der Unsicherheit, ein Ort, an dem ich einen Augenblick verweile und dann gestärkt zurückkehre in meinen Alltag. So ein Ritual zu etablieren ist nicht schwer, man muss sich entscheiden, was man tun will, beten, Bibel lesen, meditieren o.ä. – schöne Gebete gibt es beispielsweise hinten im Gesangbuch oder im Internet oder Sie fragen mich. Und dann muss man einen regelmäßigen Rhythmus etablieren und am besten einen festen Ort.
Gemeinschaft und Ritual – diese beiden machen nicht alles gut, aber sie können helfen, Zeiten der Unsicherheit zu ertragen. Und ich hoffe, dass wir insgesamt durch diese Krise lernen, etwas langsamer und beständiger zu leben, einen Schritt zurückzutreten von der Geschwindigkeit unserer Gesellschaft und dass wir lernen, mehr aufeinander zu schauen in Zeiten von Unsicherheit.
Zum Abschluss noch ein Zitat von Augustinus: „Zu dir hin hast du uns geschaffen, Gott, und unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir“.
Ich wünsche Ihnen trotz allem eine frohe und gesegnete Osterzeit!
Ihr Pfarrer im Probedienst
Simon Schu