Das Wort

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft,
und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.
Hebr. 11,1


Liebe Gemeinde,

auf die Frage an den Domprobst i.R. P. Jakobi, ob wir heute eine Kirchenkrise haben, antwortete dieser: „Keine Kirchenkrise, sondern eine Gotteskrise“. In der Tat scheint in der heutigen Zeit die Kritik an der Kirche nur ein Vorwand zu sein, um die allgemeine Unfähigkeit, an den Gott der Bibel zu glauben, zu überdecken. Gott als allumfassender Begriff wird dabei noch akzeptiert, aber bei Gott als der Schöpfer aller Dinge, der die Welt und damit auch mich aus dem Nichtsichtbaren geschaffen hat, scheiden sich schon die Geister. An den Urknall und die Evolutionstheorie (obwohl sie die Entstehung des Lebens auch nicht erklären kann) kann man eher glauben, als dass am Anfang das Wort Gottes war, aus dem dieser den Kosmos und das Leben erschaffen hat (Hebr.11,3). Beweisen kann man beides nicht. Beides sind Glaubensansichten. Die Entscheidung für das Eine oder Andere zieht dabei keine unmittelbaren Konsequenzen für unser Leben nach sich.
Anders verhält es sich bei der Frage nach dem Glauben an einen persönlichen Gott. Glaube ich an eine unsichtbare Welt, aus welcher ein persönlicher Gott wirkt und zu mir spricht? Kann ich dieses glauben, so wird dieser Glaube Macht über mich gewinnen, und ich werde von der Wirklichkeit dieser verborgenen Welt berührt. Sie wird mir schließlich sogar zur Gewissheit. In diesem Glauben gehe ich mit dem Herrscher dieser Welt eine persönliche Beziehung ein, in der Hoffnung, dass der, der mein Leben geschaffen hat, mich auch durch mein Leben mit seinen Höhen und Tiefen begleiten und tragen wird, und mich am Ende meines Lebens wieder zu sich holen wird. Wenn ich das bejahen kann, dann bewirkt diese Entscheidung auch etwas in mir, denn aus dem Glauben wächst eine dynamische Lebenskraft, wie aus Hoffnung und Liebe auch. Sie hat dann nämlich Konsequenzen für mein Leben, die in meinem praktischen Lebenswandel sichtbar und mich kennzeichnen wird, nämlich mein Leben so zu gestalten, wie Gott selbst in Jesus Christus es uns vorgelebt hat.
Mit diesem Schritt binden wir uns an Gott, und geben damit gleichzeitig einen Teil unserer Unabhängigkeit für unsere persönliche Lebensgestaltung auf, und fragen nach Gottes Wünschen. Diese sind nicht immer leicht zu erkennen, da unsere Neigungen und der eigene Wille diesem zuwiderlaufen. Doch wenn ich genau hinhöre, kann ich den richtigen Weg aus seinem Wort in der Bibel erkennen, so dass im Idealfall mein Wille mit Gottes Wollen übereinstimmen.
Und selbst dann, wenn wir eigene Wege gehen, kann Gott manchmal daraus doch noch etwas Gutes bewirken. So groß ist seine Liebe zu uns Menschen.
Mit diesen Konsequenzen des Glaubens mögen sich in heutiger Zeit aber nur noch wenige Menschen anfreunden. Aber nur darin ist für mich der Sinn des Lebens zu finden.
Allerdings können wir den Glauben an einen persönlichen Gott nicht aus uns selbst durch einen Willensakt hervorbringen. Glauben kann man nicht lernen wie das Einmaleins. Auch bekommen wir ihn nicht vererbt. Glauben ist ein reines Geschenk Gottes, welches „der heilige Geist durch das Evangelium in uns wirkt“. Aber ohne das Lesen des Wortes kann auch der heilige Geist nicht wirksam werden. Darin liegt das ganze Geheimnis. Wir können unseren Glauben durch Lesen und Hören des Wortes Gottes stärken und authentisch vorleben, damit auch kommende Generationen noch glauben können. Möge Gott uns bei dieser Aufgabe zur Seite stehen.

Ich wünsche Ihnen (Euch) eine besinnliche Passionszeit, frohe Osterfesttage und einen hoffnungsvollen Weg hinein in die Frühlingszeit

Ihr (Euer) Hartmut Schütz


(C) 2011 - Alle Rechte vorbehalten

Diese Seite drucken