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„Wer glaubt, ist entbunden - wer nicht glaubt, ist gebunden.“
Ulrich Zwingli (1484 – 1531), Schweizer Reformator in Zürich

Liebe Gemeinde!
„Glaube schenkt Freiheit“, so könnte man die Aussage des Reformators Ulrich Zwingli auch wiedergeben und damit stimmte er ganz mit Martin Luther überein, der in besonderer Weise die „Freiheit eines Christenmenschen“ betonte. Nun ist die Hälfte des 500. Jubiläumsjahrs der Reformation schon vorbei. Vielleicht kann mancher es auch schon nicht mehr gut hören, wenn immer wieder von Martin Luther und der Zeit damals die Rede ist. Dennoch ist es gerade spannend darauf zu schauen, was die prägenden Köpfe der Reformierten, der Schweizer Reformation also, zu sagen hatten wie etwa Ulrich Zwingli in Zürich und Johannes Calvin in Genf.
Als erstes denkt man schnell an die Ablehnung der Bilderverehrung, die Schlichtheit der Kirchen, die besondere Sicht auf das Handeln und die eigene Verantwortung in der Welt und dass das Abendmahl vor allem als Erinnerungsmahl an Jesus Christus gefeiert wird. Aber auch wesentlich war die Absicht, den Durchblick, das Wissen, die Aufklärung der Menschen zu fördern. Man sollte sich nicht mit Geheimnissen, nicht mit schwer zu durchschauender Mystik zufrieden geben, damit sich Priester und selbsternannte Wächter des Glaubens nicht eine Macht anmaßen, die ihnen nicht zusteht. Denn damit wurde Menschen immer wieder Angst gemacht, vor allem auch Angst vor Gott bzw. die Angst davor, ihm nicht gerecht werden zu können.
Und sie wurden hinters Licht geführt mit falschen Versprechungen und Forderungen. Mit der Reformation wurde neu entdeckt, dass der Glaube befreit: aus Angst, aus verschlungenen Wegen, von Schuld, falschen Versprechungen und falschen Erwartungen. Und der, der diese neue Freiheit ermöglicht, den Weg dafür bereitet hat, war und ist ein für alle mal Jesus Christus. Und weil es Gottes Wort ist, das dies zusagt und beschreibt, braucht man sich nicht auf die oft trügerischen Worte und Versprechungen von Menschen zu verlassen.
„Wer glaubt, ist entbunden“ - dieser Satz Zwinglis hat aber doppelte Bedeutung, nämlich „befreit“ und „neu geboren“. Durch den Glauben also wird das Leben eines Mensch neu. Im Heidelberger Katechismus, der reformierten Bekenntnisschrift aus dem Jahr 1563, heißt es in Frage 90 einer damals ungewöhnlich leichten Sprache: Was heißt Auferstehung des neuen Menschen? Und die Antwort lautet: Herzliche Freude in Gott durch Christus haben und Lust und Liebe, nach dem Willen Gottes in allen guten Werken zu leben.
Herzliche Freude und Lust und Liebe. Aus diesen Worten hört man regelrecht heraus, wie die Zeit der Angst, die Zeit des Mittelalters und eine düstere Hoffnungslosigkeit abgeschüttelt wurden. Zwingli sagte: „Wer nicht glaubt, ist gebunden“. So manch bewusster Atheist würde dem sicher widersprechen und sagen, ich fühle mich völlig frei. Über die Freiheit, die der Glaube schenkt, können tatsächlich nur die etwas sagen, die sie spüren.



Ihnen und Euch allen herzliche Freude
und eine schöne Sommer- und Herbstzeit
Ihr/Euer
Bernhard Speller