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Das Wort

Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns
Joh. 1,14

Im sonnigen und warmen Oktober fällt es mir schwer, an Weihnachten zu denken, geschweige denn, über den diesjährigen Bibelspruch zu Weihnachten etwas zu schreiben. Aber schon bald werden die ersten Vorboten des Festes sichtbar werden: Lebkuchen, Dominosteine, Schoko-Weihnachtsmänner, Engel, Sterne in allen Variationen, Lichtergirlanden, Weihnachtsmärkte, die von Glühweinständen und Wurstbuden dominiert werden. Und je näher die Festtage herankommen, desto grösser wird die Geschäftigkeit, die Unruhe und der Aktionismus. Weihnachten ist in unserem Lande zu einem gigantischen Konsumfest verkommen, wobei der Kern dieses Festes von vielen nur noch als Randerscheinung wahrgenommen wird. Christen kennen den Kern, und bei den meisten von ihnen ist die frohe Botschaft zu Weihnachten in Form der Weihnachtsgeschichte, wie sie uns vom Evangelisten Lukas erzählt wird, im Gedächtnis, wie sie uns an jedem Heilig-Abend-Gottesdienst vorgelesen wird, wie ich sie als Kind noch auswendig gelernt habe und wie die Kinder sie uns im Krippenspiel an Heiligabend vorführen. Doch Lukas ist der Einzige, der das Kommen Gottes in unsere Welt in dieser anrührenden Weise erzählt. Johannes z.B. verzichtet bei seiner Darstellung auf gänzlich alles, was uns von Weihnachten so vertraut ist. Er betrachtet nämlich das ganze weihnachtliche Geschehen aus einer ganz anderen Perspektive und beschränkt sich bei seiner Darstellung ganz auf das Wesentliche, auf das, was im Tiefsten an Weihnachten geschehen ist: „Das Wort ward Fleisch (Mensch) und wohnte unter uns.“ Kein Stall, keine Windeln, keine Jungfrau Maria, keine Hirten. Er sagt, wenn wir diesen zunächst unverständlichen Satz verstehen wollen, müssen wir ganz zurück zum Anfang, zur Erschaffung der Welt, wie sie uns in der Schöpfungsgeschichte im AT berichtet wird. „Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott“ sagt Johannes am Anfang seines Evangeliums, und will damit zeigen, dass mit dem Kommen von Jesus Christus etwas geschehen ist, was einem erneuten Schöpfungsakt gleichkommt. Ohne Gottes Wort wäre das Licht nicht aus der Dunkelheit hervorgebrochen, und die Welt wäre nicht in ihrer Schönheit geformt worden und das Leben wäre nicht entstanden. Doch dieses Licht hat scheinbar nicht ausgereicht, die Herzen der Menschen dauerhaft zu erhellen. Indem er aber nun Gottes Wort und Christi Wort gleichsetzt, bekennt er, dass es nur das eine göttliche Wort gibt. Wenn das aber so ist, kann es nur bedeuten, dass Gott und Christus schon vor Anfang der Welt eine Einheit waren. Dieses neue von Gott ausgehende Licht soll nicht diese Welt beleuchten, sondern sein erhellendes, lebenspendendes Wort soll die Herzen der Menschen erleuchten. Dieses Ereignis feiern wir jedes Jahr zu Weihnachten. Gottes Wesen tritt aus der Unsichtbarkeit heraus und will ganz nah bei den Menschen sein. In Christus, dem Licht der Welt, zeigt sich der unnahbare Gott ganz menschlich und nah.
Dieses epochale Ereignis ist der Beginn einer Zeitenwende, wie wir an unserer Jahreszählung unschwer erkennen können. Dass der große, heilige und unnahbare Gott ein Mensch wird, war zu allen Zeiten nur schwer zu verstehen, war doch von Anfang an die Welt Gottes und die der Menschen unüberbrückbar. Dass der große, heilige und unnahbare Gott zu uns Menschen herabsteigt und ein Leben eines schwachen fehlbaren und leidenden Menschsein eingeht, war zu allen Zeiten nur schwer zu verstehen und ist auch heute nicht nur für Muslime unannehmbar, sondern auch viele unserer Mitmenschen können diese gedankliche Hürde nicht überspringen. Viele glauben eher, dass Gott sich in Christus einen guten Menschen erwählt hat, um sein Wesen an ihm zu offenbaren. Gott hat diesen Menschen quasi adoptiert, so wie Menschen ein Kind adoptieren.
Wozu will Gott denn Mensch werden? Was hat er damit im Sinn? Ich kann es nur als Tat der Liebe Gottes zu uns Menschen verstehen. Indem Gott in Christus selbst in eine von ihm abgewandte Welt kommt, zeigt er, dass er sich nicht abfinden will mit einer Menschheit, die beschlossen hat, aus sich selbst heraus glücklich zu sein, und meint, seiner Liebe nicht zu bedürfen. Selbst eine solche Welt bleibt trotzdem seine geliebte Welt. Er wendet sich nicht ab, sondern will ein Licht in unsere dunkle Welt bringen und will unter uns wohnen. Noch vor Jahrhunderten hat man diesen Satz sehr wörtlich genommen! Da wurde Jesus ein Platz in der Wohnung eingeräumt, in welchem sich die Hausgemeinschaft zur Andacht versammelte. So hatte Christus noch einen festen Platz im Leben der Familie. Aber auch heute will er einen festen Platz in unserem Leben einnehmen. Er möchte, dass wir uns mit ihm einlassen. Er möchte nicht, dass wir das Ereignis von Betlehem aus sicherer Distanz nur als Zuschauer betrachten, sondern er will eine Beziehung zu uns herstellen, will mit uns gehen durch Traurigkeiten und Freudentage, in Gesundheit und Krankheit, überall dorthin, wo wir unseren Alltag leben, und möchte Licht in unser Leben bringen. Zu ihm können wir kommen mit all unseren Sorgen und Nöten, Einsamkeit, unserer Schuld und unserem Versagen. Er will unser Bruder sein, jeden Weg mit uns mitgehen und dieses alles mit uns teilen, auch wenn er weiß, dass das vielleicht keine einfache Sache werden wird. Wollen wir ihm eine Wohnung geben, uns auf ihn einlassen und seinem Wort vertrauen? Zu Weihnachten wäre eine gute Gelegenheit. Erst wenn wir darin einwilligen, könnte aus einer geschichtlichen Zeitenwende zu Weihnachten auch eine persönliche Zeitenwende für unser Leben werden. Gott wartet darauf. Deshalb ist er als Mensch zu Weihnachten zu uns auf die Erde gekommen. Wenn wir das erkennen und annehmen können, haben wir das Wunder von Weihnachten in seiner ganzen Tiefe verstanden.

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und einen guten Start ins neue Jahr wünscht

Ihr/Euer Hartmut Schütz