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Das Wort

Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten.
Psalm 50, 15

Liebe Gemeinde!
Die Verbindung ist unterbrochen – so ein Ärger, woran liegt es bloß? Kein Telefon, kein Internet, auch das Fernsehen geht nicht. Abgeschnitten von der Umwelt. Da wäre noch das Handy. Gut, schnell die Hotline anrufen vom Netzanbieter. „Wenn Sie sich für unsere Angebote interessieren, wählen Sie bitte die „Eins“, - wie so etwas dann weitergeht, davon werden gewiss viele von Ihnen und Euch ein Lied singen können. So ähnlich haben das schon viele erlebt und es ist tatsächlich so, als wäre man irgendwie ausgeliefert. Die Verbindung ist unterbrochen. Das geht vielen Menschen so, nicht nur technisch. Die Verbindung zu anderen Menschen, die haben sie oft, vielleicht sogar zu tausend Freunden im Internet, doch wenn jemand diesen Freunden schreibt, ob sie vielleicht beim Umzug mit anfassen können, bleibt es plötzlich merkwürdig still.
Und wie ist das mit der Verbindung zur Kirche, zur Gemeinde, oder ganz persönlich zu Gott? Es scheint, da ist die Verbindung bei vielen unterbrochen. Eine besondere Art der Verbindung zu Gott ist das Gebet. Das vielleicht ganz stille, ganz private, ganz persönliche Gebet. Doch für viele Menschen scheint diese Möglichkeit der Verbindung zu Gott eben unterbrochen zu sein, zumindest ist sie stark angeknackst oder sie ist gar nicht mehr im Blick. Waren es die Eltern oder Großeltern, die mit einem vielleicht abends am Bett gebetet haben, ist das dann doch in Vergessenheit geraten. Aber ich erlebe es immer wieder, wie stark und bewegend die Rückmeldungen sind, wenn ich etwa bei einem Besuch das Gebet anbiete, wenn ein besonderes Ereignis begangen wird oder ein drückendes Problem belastet. Manchmal fließen sogar Tränen, weil es ein ungewohnt persönliches und auch befreiendes Erlebnis geworden ist. Im Gespräch hört man manchmal: meine Mutter, die hat immer mit uns am Bett gebetet. Aber selten sagt jemand, wir beten in unserer Familie bei der ein oder anderen Gelegenheit gemeinsam.
Wird bei Ihnen oder Euch darüber gesprochen, wie die anderen es halten oder wünschen? Ganz selten hört man dagegen, beten sei sinnlos. Das ist für mich auch ein Beleg dafür, dass ganz viele Menschen es tun; für sich, ohne es an die große Glocke zu hängen. Vielleicht mit großer Mühe, sich den göttlichen Gesprächspartner bzw. Zuhörer vorstellen zu können. Es schrieb mal jemand über das Beten: „Fast alle tun es – aber keiner spricht darüber“. Weil es so schwer ist, oder peinlich, oder albern klingt, ein Zeichen von Schwäche ist?

„Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten“ - so heißt es im Psalm 50, 15.
Diese Bibelstelle wird manchmal die Notrufnummer Gottes genannt. Nun ist es nicht einfach so, dass man die Nummer in sein Handy eingeben kann und dann eine Verbindung hat oder gar nach einigen Weiterschaltungen sogar eine freundliche Stimme, hört, die einem hilft. Es gibt seit 60 Jahren in unserer Region die Telefonseelsorge; es gibt viele gute und wichtige Hilfsangebote auch und gerade für viele persönliche Fragen und Probleme. Da wird oft Vorbildliches und Wunderbares gerade auch von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen geleistet.
Das Gebet hat aber eine noch viel weitergehende Dimension: selbst, wenn man das, was einen bewegt, nicht in gesprochene Worte fassen kann - die Leitung zu Gott steht immer. Da legt niemand auf und es kann unendlich befreiend sein, das eigene Herz, die eigenen Gedanken sprechen oder auch überfließen zu lassen. Sich Mut machen zum Gebet, das ist nicht leicht. Und doch ist es gut zu wissen, dass Gott auch antwortet. Dass sein Geist, sein Wort auf einmal das Herz und den Sinn verändern kann. Mit anderen darüber zu sprechen, dieses mit anderen zu teilen, kann auch zu einem völlig neuen Miteinander führen.

Ich wünsche Ihnen und Euch eine schöne Sommer-, Urlaubs- und Herbstzeit mit guten Verbindungen.

Ihr/Euer
Bernhard Speller